Das graue Wetter trieb am 5. Dezember hohen Besuch in die Hebammen-Praxisgemeinschaft Du & Ich in Weil der Stadt. Herzlich wurden Cem Özdemir und Peter Seimer von 4 Hebammen empfangen. Standesgemäß wurde die Gesprächsrunde auf Sitzbällen eröffnet.
Grund für den Besuch war das Hebammenhilfegesetz, welches den Hebammen zum Teil ihre Arbeit sehr erschwert. Es gebe zwar auch Positives am Gesetz, so leitete Hebamme Parissa Tayebi ein, nämlich, dass man für mehr Zeit auch mehr Geld bekäme. Doch die Nachteile überwiegen: Telefonische Hilfe müsse schriftlich von den Frauen (also den Kundinnen der Hebammen) quittiert werden und werde nur adäquat finanziert, wenn sie zwischen 5 und 10 Minuten daure. Hilfe via Messenger und anderen Kanälen werde nicht mehr von der Kasse übernommen.
Ebenso gibt es für die Hebammen keine Möglichkeit, für abgehaltene Kurse eine Bezahlung zu erhalten, wenn die Frauen einzelne Termine nicht wahrnehmen. Dies wurde als besonders ärgerlich beschrieben, da eine hohe Nachfrage an Kursen bestehe und die Teilnehmerzahl nun unabhängig von Umständen wie Raumgröße oder Hybrid-Angebot streng auf 10 Teilnehmerinnen beschränkt sei.
Für Beleghebammen sieht die Sache besonders schlecht aus, denn sie bekommen je nach Anzahl der betreuten Frauen immer weniger pro Frau vergütet.
Grund dafür ist wohl der Wunsch nach einer 1:1-Betreuung, die jedoch im Hebammenberuf ein Wunschtraum bleibt, da zum Glück keine Mittel und Wege bereitstehen, die Zeit und Anzahl der gleichzeitig stattfindenden Geburten entsprechend zu regulieren.
Im Moment wird das Hebammenhilfegesetz vor dem Sozialgericht in Berlin diskutiert, wie das ausgeht ist unklar. Änderungen sind dringend erwünscht!
Man könne versuchen, die Gesetzgebung von Baden-Württemberg aus über den Bundesrat positiv zu beeinflussen, überlegte Cem Özdemir, der sich sichtlich für Belange der Hebammen interessierte.
Mit Herzblut beschrieben die anwesenden Hebammen ihren Beruf und schilderten auf Nachfrage von Özdemir auch den kreativen Umgang mit schwierigen Situationen wie Sprachbarrieren oder Familien in prekären Verhältnissen. Hier steht bei uns besonders durch die Frühen Hilfen ein sehr wertvolles und niederschwelliges Hilfsangebot zur Verfügung, welches auch längerfristig in Anspruch genommen werden kann.
Immerhin, durch die Akademisierung dieses reinen Frauenberufs gibt es nun in den Krankenhäusern keinen Mangel mehr an Hebammen. Wohl aber gibt es in unserer Region einen Mangel an freiberuflichen Hebammen, welche unter anderem die Wochenbettbetreuung und die Geburtsvorbereitung übernehmen. In anderen Regionen sei das ganz anders, denn „da, wo es schön ist und links, da lassen sich Hebammen gerne nieder“, so Tayebi. Schön ist es ja bei uns schon, und gerne arbeiten wir weiterhin daran, unseren Hebammen hier ein optimales Habitat zu schaffen!